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Classic Rage

"Isolation's over"


6 Punkte

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Kurzinfo

Classic Rage
"Isolation's over"
1997, Plutonium Records

Silvio Ferreira - vocals
Dinis Costa - guitars
Pavlo Melo - bass
Mario Cabral - keyboards
Nelson Neto - drums

Vorab...

Frage: Wie nutzt man einen freizeitfrei geplanten geschäftlichen Aufenthalt in Lissabon ? Man setzt sich kurzerhand während eines uninteressanten Vortrags ab und stürtzt sich in die Metro um wenigstens zwei Souveniers aus Portugal mitnehmen zu können: Eine Flasche roten Port und eine CD einer portugiesischen Progband. Die Suche nach dem Port gestaltete sich logischerweise eher einfach, während ich w&aumL;hrend der Suche nach einer portugiesischen Progmetal-Band in den meisten Fällen auf zuckende Achseln stieß. Immer wieder wurde ich stolz auf Black Metal oder Bands wie "Moonspell" verwiesen. Kurz vor der entnervten Aufgabe des Vorhabens fand sich dann doch noch eine kleine Metal-Enklave in einer Metropassage, in der man mir wenigstens eine einheimische Progband (wieder mit der charmant akzentbehafteten Bemerkung "Portugal mainly black metal and gothic ... no progressivo") nennen konnte. Der Name der Band (übrigens von den Azoren): Classic Rage.

Die Songs
  1. Isolation's over (5:44)
  2. Train to nowhere (5:39)
  3. The twisted (4:23)
  4. Revolution (1:30)
  5. Boulevard of broken dreams (4:16)
  6. Claudette's funeral (3:16)
  7. Right in your face (4:30)
  8. The house (4:35)
  9. Night of the million faces (5:47)
  10. Freeland (10:04)
Gesamtspielzeit: 49:46 min
Das Album

Der Opener Isolation's over bringt durchdachten progressive Metal zu Tage - songdienlich, homogen, melodisch, wenn auch von Gesamtfeeling nicht 100%ig abgezockt. Aber es ist gerade diese etwas leicht naive (unvollendete) Art, die ein Hauptcharakteristikum dieser Scheibe ausmacht. Rauhe Riffs, elegische Keyboards und dezenter Variantenreichtum. Ein Opener nach Maß !

Train to nowhere hät das Niveau des Openers und zeigt, daß die Übergänge zwischen Progrock und Progmetal streckenweise fließend sein können. Was an diesem Track jedoch schon auffällt ist der etwas lieblose Klang der Drums und Guitars sowie die Tatsache, da&slig; Silvio Ferreiera's Gesang vereinzelt etwas zu gepresst wirkt.

The twisted ist da schon etwas aggressiver und grimmiger ausgefallen und bietet nach einem Break eine absolut atmosphärische Dunkelriffpassage, die leider viel zu früh vom etwas zu stark nach vorne gemischten Gesang abgewürgt wird. Trotz dieses kleinen Patzers wird gewiß, daß Classic Rage einen erfrischenden eigenen Stil besitzen.

Das packende Kurzinstrumental Revolution bietet epischen und kraftvollen Progmetal der Extraklasse, bevor mit Boulevard of broken dreams eine schräge (positiv !) Ballade ansteht, die nur mit verrauchtem Kellerklavier (Beatlesakkustik) und verzerrten Vocals auskommt, was zwar auf Anhieb nicht eingängig ist, dafür aber immer wieder gerne hörbar ! Stark !

Claudette's funeral ist ein weiteres exzellentes Instrumental, diesmal aber eher im keyboardschwangeren Progrock der 70er verwurzelt, bis sich dann auch progmetaltypische Riffstakkati einfinden und der Track nahtlos in Right in your face übergeht, der leider zu Beginn etwas unausgegoren klingt, sich ab Mitte jedoch zu einem dezent frickeligen und interessanten Track entwickelt.

The house ist, wie schon der Titel erahnen läßt, ein von Spinett und hohen Keyboards getragener spooky-Track, der langsam und unheilvoll vor sich hin kriecht und einem Kind vor dem Einschlafen von einer Lady mit einer Axt erzählt ... aha, also das gute alte "Little lizzy took an axe". Gegen Ende wird der Song leider etwas zu schräg und gerade als ichs sage, setzen auch schon wieder die Harmonien ein ... ein auf dieser Platte mehrmals einsetzender Effekt.

Night of the million faces ist dann eher ein durchschnittlicher Track, den man sich hätte schenken können.

Auf gehts zum längsten Track des Albums: Freeland. Düstere Riffstakkati, eine vertrackte Bridge sowie ein melodischer Refrain, der leider unter dem Gesang leidet, dem hier letztendlich doch die Luft ausgeht und ins gequälte Tonhalten abrutscht. Schade ! Aber nach 4 Minuten wird man mit einer leicht gespenstischen und orchestralen Instrumentalpassage der progmetallischen Oberklasse wieder entschädigt.

Fazit

6 Punkte Eine rundum gute Prog-Metal Scheibe vor allem für Fans, die auch mal in die Lokalszenen im Ausland schauen wollen. Mit einem etwas ausdrucksstärkeren Gesang und druckvollerem Sound wäre hier sicher ein großer Wurf gelungen.

Die Homepage der Band findest Du in den DURP Links.


english summary

What shall I do when I am in Lisbon for three days on buziness travel program without any time left for free time activities ? The answer is simply. Leave an uninteresting symposium for an hour in order to get some souveniers (one bottle of red port vine and a CD of a portugese progmetal band). The vine: no problem. A portugese progband: quite difficult. I don't know how often I heard the words "no progressive, but black metal and gothic. Do you like Moonspell ?" ;-). As I wanted to give up I ran into a small metal shop in the Metro which was able to recommend me one portugese progressive metal band: Classic Rage.

"Isolation's over" offers you good progressive metal in a style that I've never heard before. The sound is a bit "unpolished" but all tracks have their charisma and especially: all tracks focus on the song (and not the skills of the musicians). The tracks 1 to 3 are damn good progressive metal songs. The short instrumental Revolution is a superb epic progmetal track followed by Boulevard of broken dreams which is a wonderful ballad (the piano sounds like back from Beatle's times and together with the vocal-effects create a rough and melancholic atmosphere).Claudette's Funeral is another atmoshperic instrumental, perfectly creating progrock atmosphere of the 70ies. Right in your faces sounds a bit strange in the beginning but from middle to end it's evolving into a quite interesting track. The house is spooky slow track that seems to be influenced by good old "little lizzy took an axe". At the end the song gets quite disharmonic but just as I write this remark the harmony is back again ... I encountered this effect several times on this album. Night of the million faces is the weakest track on the album ... I wouldn't have missed it. The longest track of this album is Freeland and it features great riffstakkati, epic atmosphere and would have been a killer in case of a better voice (during the refrain he seems to loose air and gets queeky) and a more powerful sound of the guitars and the drums (like on the entire album). But after 4 minutes all doubts are forgotten because of an orchestral and sometimes a bit spooky instrumental part.

So it's "just" 6 points for a good prog metal album. With more varied and more expressive vocals and more powerful sound of drums and guitars this album could have been a prog sensation from Portugal (to be more precise: from the Azores). But perhaps the next album of Classic Rage will strike Europe if they enhance perfection a little bit.
Don't forget to mention the DURP in your order !

A link to the website of the band can be found in the DURP Links.


© 10/1998 Markus Weis / Die Ultimative Review Page - https://durp.cf2.de