CD review / album review / CD Rezension / Album Kritik / Plattenkritik

3rd and the Mortal

"Tears laid in earth"

ERREICHTE PUNKTZAHL

goto english summary

Kurzinfo
3rd and the Mortal
"Tears laid in Earth"
1994
Kari Rueslatten - vocals
Finn Olav - guitar
Bernt Rundberget - bass
Geir Nilssen - guitar
Rune Hoemsnes - drums
Trond Engum - guitar
Vorab...
Das erste Album der norwegischen Gruppe ´The 3rd and the Mortal´ hat nach nicht einmal 2 Jahren nach seiner Veröffentlichung schon beinahe Kultstatus erlangt. 

In aller Munde kam das Debüt ´Tears laid in Earth´ aus zwei Gründen. Zum einen war es die phantastische Stimme der jungen Sängerin Kari Rueslatten, zum anderen die Musik selbst, die in keine der gängigen Cliche`s paßte. Es klingt Metal-lastig mit Wave-Einschlaegen, eine düstere Stimmung, die Nordländern oft zu eigen ist - jedoch nicht mit dem Gegrunze vieler anderer skandinavischen Metal-Bands. Außerdem wurden folk- und klassische Elemente, zusammen mit einer neuartig atmosphärischen Stimmung eingebaut, die man sonst nur aus der `New Age`-Ecke kannte. 

Wahrlich also eine neue, fortschrittliche Musik -und wie war noch gleich das englische Wort für fortschrittlich - richtig: progressiv... 

 
Die Songs im Einzelnen
 Vandring (1:35) - das Erste, in norwegischer Sprache, ohne Musik, nur á capella. Schon hier zeigt sich, daß die Band außergewöhnliche Wege beschreitet ... und macht Lust auf mehr.

Why so lonely (5:12) beginnt wie eine traurige Metal-Ballade (wer haette bei diesem Titel auch etwas anderes erwartet). Dieser Instrumentalteil wechselt sich mit den einzelnen Strophen ab, bei denen Kari von Akkustikgitarre und/oder Keyboards begleitet wird. Das lange Gitarrensolo ist abwechslungsreich, die 3 (!) Gitarristen zeigen, daß man langsame Soli auch interessant gestalten kann.

Autopoéma (4:35) beginnt mit einer Reihe von Gitarrenakkordechos (wie sie später auch Tiamat auf ihrer aktuellen CD Wildhoney verwendet haben). Eine Kleinigkeit härter als das vorherige Stück, und auch etwas schneller.

Death-Hymn (8:21) fängt mit einem längeren Intro an, in dem sich die schon bekannten Gitarrenakkordechos mit Power-Chords abwechseln, alles jedoch in einer Geschwindigkeit, an der Black Sabbath-Fans ihre Freude hätten. Zweistimmige Gitarrensoli runden das schwermütige Bild ab. Kari gibt mit ihrer Stimme, die sich in den höheren Regionen mit einer Leichtigkeit bewegt, als hätte sie eine jahrelange Gesangsausbildung, den Lied eine Stimmung, die ich sonst nur von poetischen Filmen wie ´Die unertraegliche Leichtigkeit des Seins´ her kenne.

Bei den Gitarreneinlagen kehrt die schwermütige Stimmung jedoch sogleich zurück - und dieses Wechselbad der Eindrücke macht meines Erachtens einen großen Teil der Faszination dieser Platte aus. Gegen Ende, während Kari in die hohen Tönen eine LaLa-Melodie intoniert, setzt eine abgrundtief düstere Stimme ein (von einem der drei Gitarristen), die eine Story, wohl über den Tod, erzählt. Zuletzt gibt es kurz noch einmal Kari, zweistimmig und in Stereo, links hoch, rechts etwas tiefer gesungen.

Shaman (3:26) - Hier haben wir zur Abwechslung einmal Keyboardtöne im Intro, die übrigens von Kari gespielt werden. In diesem Instrumentalsong wird die Melodie abwechselnd von Gitarren gespielt und von Kari (mit Hey Hey Hey) gesungen. Dieses kurze Stück zeigt auch einmal wieder, daß die sechs Norweger sich kaum an die üblichen Songschemata halten. Sie greifen eine Idee auf, und spielen diese, bis sie verbraucht wird. Im Gegensatz zu anderen Metal-Gruppen, die ein Riff bis zum Erbrechen wiederholen, hören ´The 3rd and the Mortal´ auf, bevor es langweilig wird.

Trial of the past (5:10) - Und gleich das zweite Instrumentalstück, diesmal wirklich ohne Gesangseinlage. Was macht man also mit 3 Gitarren? Einer spielt sehr metallisch verzerrte Power-Chords, die beiden anderen machen die Soli, einer höher der andere etwas tiefer, manchmal abwechselnd, manchmal gleichzeitig, selten jedoch das selbe.

Lengsel (2:47) bringt Kari zusammen mit Bernt, dem Bassisten. Wie auch schon der Opener ist dieser Song in Norwegisch.

Salva me (4:35) - Nach einigen Gitarrenakkordechos plötzlich Vollgas. Der Schlagzeuger drischt in die Felle und auch die Gitarren drücken auf die Tube - dann ein Break und wir sind wieder beim altbekannten Tempo. Das ist wohl auch der einzige Nachteil dieser CD. Sie weichen keinen Millimeter von der schwermütigen Stimmung ab, die diese langsame Musik bedingt. Aber für eine Party ist diese Scheibe sowieso nicht geeignet.

Song (6:37) - Jetzt wird`s noch langsamer. ´Saint Vitus´ läßt grüßen. Schlagzeugtakte, wie man sie von Pink Floyd zu ihren psychedelischen Zeiten her kennt, unterstützt von Keyboardklängen. Wäaehrend diese leiser werden und verschwinden, setzt ganz langsam Kari´s Stimme ein. Sie zieht diesmal die Silben und Vokale extrem in die Länge, man hört sogar ihr Einatmen. Ich fühle mich zu ´Careful with that axe, Eugene´ zurückversetzt und erwarte den nervenzermürbenden Schrei. Er kommt natürlich nicht, aber die Stimme gepaart nur mit dem Schlagzeug - man könnte fast eine Gänsehaut bekommen (wenn ich nicht, während ich diese Zeilen schreibe in der prallen Sonne und Isarstrand liegen würde und ich mich nicht entscheiden kann, ob ich vor dem anstehenden Sonnenbrand flüchten soll, oder weiter schreiben...).
Sachte setzt das Keyboard wieder ein, der Gesang ist beendet, ein kurzes Gitarrensolo folgt, eines von der Sorte, wie wir es in Stimmung und Geschwindigkeit inzwischen schon ein paarmal gehört haben. Ein letzter Schlagzeugeinsatz, das Lied klingt aus (Seltsamerweise fehlt bei diesem Lied als einziges der Text auf den Booklet).

In mist shrouded (5:33) - Diesmal singt Kari etwas tiefer, aber glasklar, sauber und ohne Probleme wie immer. Ein paar ungewöhnliche Gitarrenakkorde und -noten folgen. Der Song wird ungewöhnlich und etwas schneller als die anderen. Ein richtiger Spannungsbogen entsteht, der zum Ende sich wieder abbaut und mit Kari´s leiser Stimme, begleitet von einer (!) unverzerrten Gitarre ausklingt.

Oceana (18:10) - Der Höhepunkt (schon allein wegen der Länge) und Abschluß der CD beginnt mit Wellenrauschen und unheimlichen Keyboardklängen. Ein episches Lied, das langsam beginnt, mit viel Text und unverzerrten Gitarren. Nach einiger Zeit wird er härter, verzerrte Gitarren setzen ein. Die schon im vorigen Song angeklungenen ungewöhnlich schrägen Gitarren runden das Bild ab, bevor der erwartete Rückschritt zur vorherigen Stimmungslage eintritt. Der Wechsel wiederholt sich mehrmals, bevor das Stück unvermittelt abbricht, um mit bedrohlichen Keyboardechos neu zu starten. Die Stimme von Kari paßt auch hierzu ohne Einschränkungen. nach Rückkehr zur zum Hauptthema spielt eine Gitarre die Melodie, während das Keyboard im Hintergrund mit immer neuen, seltsamen Geräuschen aufwartet.
Das Lied klingt völlig unmelodiös aus, indem mehrere von Kari´s Gesangslinien (einige in Norwegisch) gleichzeitig ablaufen.
 
Fazit
Die Traumnote wurde knapp nicht erreicht, da auf der ganzen Platte immer die gleiche düstere Stimmung vermittelt wird. 

Außerdem möchte ich nochmals betonen, daß hier weder Progressiv-Rock noch -Metal in der bekannten Weise geboten wird, doch irgendwie kann man die Musik so bezeichnen. 

Wer die CD kaufen möchte und nur die neuere Scheibe ´Painting on glass´ im Regal findet, sollte vielleicht die andere Kritik noch lesen, denn sie klingt noch erheblich extremer als ´Tears laid in Earth´.

ERREICHTE PUNKTEZAHL: 9


english summary

9 points The topscore is shortly missed because the athmosphere is very dark and gloomy all the time. This album brings you unusual prog-rock/metal ... and if I say progressive ... this one really is progressive and innovative.


© 08/1996 Robert Martl / Die Ultimative Review Page - https://durp.cf2.de